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Pioniere auf der Pirsch“ …
nach einem friedvollen Umgang von Mensch, Tier und Umwelt

 

Im Februar 2018 nahm ich zusammen mit 23 weiteren Interessent*innen an einem Kennenlern-Wochenende der „nature-community“ teil. Dort leben zu diesem Zeitpunkt ca. 50 Erwachsene und 10 Kinder in einem ehemaligen Ferienhotel incl. eines kleinen Bungalowdorfes, das die Gemeinschaft im März 2016 erworben hatte.


Es herrschen in dieser Jahreszeit auf 700 Höhenmetern des Oberpfälzer Waldes noch immer Minustemperaturen. Was uns aber nicht so viel ausmacht, da die 3 Haupthäuser sehr großräumig und weitläufig sind. Zur Begrüßung erörtern wir in Kleingruppen, welches unsere Motive wären, um in ein Gemeinschaftsprojekt zu ziehen und welches unser Beitrag sein könnte, um uns dort einzubringen.


Einer der Kernpunkte dieser Gruppierung ist die vegane Ernährung. Durch den vorherigen Hotel- und Gastwirtschaftsbetrieb besteht in der Küche und bei den sanitären Einrichtungen (incl. eines Wellnessbereichs mit Sauna und Schwimmbad) eine Infrastruktur, um bis zu 200 Personen versorgen zu können. Wer nicht komplett auf Fleisch und tierische Produkte verzichten möchte hat die Erlaubnis, diese in seinen Privaträumen zu sich zu nehmen.

 

 


Das Essen nehmen wir ein in der ehemaligen Gaststube, die von einer ansprechenden Wandmalerei geziert wird. Das Fresco stellt eine Synthese dar aus der Geschichte des Hauses, dessen Vorbesitzer pikanterweise ein leidenschaftlicher Jäger gewesen war und der neuen, veganen, poly-spirituell orientierten jetzigen Bewohnerschaft. Aus dem früheren Jägersmann ist dabei eine Yogini geworden, aus dem Reiter ein Pegasus.


Am Samstag Vormittag dürfen wir das Kennenlernen in Form von Mithilfe in Haus und Küche fortsetzen. Es ist erstaunlich für mich, wie souverän und gelassen Marie-Luise die vielen fremden Hände dirigiert und dadurch die leckersten pflanzlichen Speisen in Hülle und Fülle entstehen lässt. Später bestätigt ein Teilnehmer dieses Erleben, indem er seinen Küchendienst als das „schönste Erlebnis“ des Tages bezeichnet.

 

Am Nachmittag bekommen wir eine Führung durch die Räumlichkeiten und über das Gelände. Überall wird gebaut, saniert, verschönert und umgestaltet. Dann gibt es einen Infoblock über die Form des Zusammenlebens der Gruppe und die Modalitäten der Annäherung und Beteiligung potentieller Neumitglieder. 

 

 


Ich hatte vor knapp drei Jahren schon einmal an einem Vorbereitungstreffen der Gruppierung teilgenommen und kannte daher die Werte und Zielsetzungen bereits. Allerdings war mir damals das Finanzierungskonzept nicht schlüssig erschienen, was ich – ganz im Sinne von „Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit“ - auch ungeniert kundgetan hatte. Daraufhin beschloss der damalige Vorstand, mich zu „keinen weiteren Treffen mehr einzuladen“.

Auf Nachfrage bestätigte der jetzige Vorstand nun, dass das ursprüngliche Finanzierungskonzept tatsächlich noch nicht zu einem kostendeckenden Wirtschaften mit der derzeitigen Bewohnerschaft ausreicht. Deshalb wollen sie gerne auf 70, 80, 90 Erwachsene anwachsen und zukünftig mehr Erwerbsmöglichkeiten innerhalb des Projektes schaffen. Ob die vorgesehene fünfundzwanzigstündige „ehrenamtliche“ Arbeit pro Person pro Woche allerdings mit der staatlich verordneten Steuergesetzgebung in Einklang zu bringen ist, wage ich zu bezweifeln. Aber ich bin ja hier nicht als Berater da, sondern zum Kennenlernen und halte diesmal lieber meinen Mund.

 

 


Nachdem im September 2017 die zwei Gründer und Hauptinitiatoren des Projektes Andi Materne und Nadine Jensen überraschend ausgestiegen waren, hat die verbliebene Gruppierung in einer winterlichen Retreatzeit die Bedingungen für weitere Neuzugänge wie in oben stehender Grafik neu festgelegt. Auf Nachfrage, warum diese zwei prägenden Personen ausgestiegen sind bekam ich als Antwort, dass ihnen die Mehrheitsmeinung der Mitglieder nicht radikal genug gewesen sei. Seit 5 Monaten ist nun die Kleinfamilie Materne/Jensen mit einem Wohnmobil im Südwesten Europas unterwegs, was angesichts der winterlichen Großbaustelle, die wir in Schönsee zu sehen bekamen wie das absolute Kontrastprogramm wirkt.

 


Zurück nach Schönsee: Parallel zu unserem Kennenlernworkshop findet eine Beratungs- und Coachingtätigkeit statt durch einen gewissen „Shanti(Eberhard Petschel,
), der der Gemeinschaft dabei helfen will, mit sogenannten „earthships“ energetisch und ernährungstechnisch autark zu werden. Alle sind ganz beeindruckt von der Präsentation und Vision des gelernten Erlebnispädagogen. Bisher gibt es in Deutschland ein einziges dieser Gebäude, in der Gemeinschaft „Tempelhof“. „Da haben sie hier aber noch einen langen Weg vor sich bis zur Autarkie“, denke ich mir und „einer muss wohl die freigewordene Stelle der abhandengekommenen Elternfiguren einnehmen“ denke ich mir … und halte mal wieder lieber meinen Mund.


Überhaupt lassen sich die Mitglieder gerne von außen coachen, vor allem von Vertretern des „Heilungsbiotops“ TAMERA. Diese verwenden als gruppendynamische Steuerungsmethode eine umstrittene Form der emotionalen Selbstentblößung, „Forum“ genannt (siehe meinen Artikel „Bäume pflanzen im Paradies“ - ein
Erlebnisbericht aus Tamera, März 2004). Leider bekommen wir diese Kommunikationsmethode nicht in natura vorgeführt, weswegen ich darüber diesmal lieber den Mund halte.


Für den Sonntag Vormittag war ein weiteres soziales Element aus Tamera angekündigt, die sogenannte „
Matinee“ zum Thema „freie Liebe“. Es wurde dann kurzfristig doch das Thema „Geld“ daraus. Uli vertrat die Ansicht, man könnte und solle mittel- und langfristig auf Geld und das Geldsystem verzichten und zu einer Schenk- und sharing-Kultur zurückkehren. Leider mussten wir diesmal noch mit harten €uros bezahlen. Mir wäre die Matinee zur „freien Liebe“ lieber gewesen.

 



Generell hielten sich die sehr kompetenten und engagierten Leiterinnen des Kennenlernworkshops (
Manuela, Karin und Runa) mit Infos über Interna eher bedeckt. Dazu sei es noch zu früh. Lieber sollten wir von uns erzählen. Den Alltag könne man ja dann als „working guest“ erleben. Mich hätte es schon noch genauer interessiert, was Gunther meinte, als er uns die Funktion des „Serail“s so beschrieb: „Hier finden nicht nur Kuschelabende statt.“ In Tamera dient die gleichnamige Institution der Anbahnung spontaner sexueller Verabredungen. Der freitägliche Disco-Abend in der ehemaligen Hotelbar unterschied sich jedenfalls in keinerlei Hinsicht von gleichartigen Veranstaltungen in der Welt "da draußen".


Abschließend stelle ich fest, dass mich die Bewohner, denen ich begegnen durfte als Menschen in ihrer authentischen Art recht beeindruckt haben. Der Satz von
Karin (pensionierte Lehrerin) „ich hätte mir vor 5 Jahren nie träumen lassen, dass ich hier so viel arbeite, wie noch nie in meinem Leben und dafür auch noch Geld bezahle“ (!) lässt mich schwanken zwischen Bewunderung (… heldinnenhaft) und Kopfschütteln (… Selbstausbeutung geht nur eine Zeit lang gut). Um diesen riesenhaften Kasten dauerhaft in eine alternative Lern- und Lebenswerkstatt umzuwandeln braucht es Leute, die aus ganz besonderem Holz geschnitzt sind. Ich wünsche den Macherinnen und Machern der nature-community, dass sie die dazu notwendige Ausdauer, Freude und Unterstützung finden und dass genügend Neugierige sich auf diese Herausforderung einlassen und den Weg in den Oberpfälzer Wald finden.

 

Gilching am 20.02.2018, Markus Kapuste

 

Copyright: Markus Kapuste, www.kapuste-coaching.de
 

 Die aktuelle homepage der Gemeinschaft finden sie hier...

 

http://gemeinschaft.nature.community/wie-wir-leben/

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Einen lustigen, authentischen, selektiven Einblick in das Gemeinschaftsleben gewährt die BR-Dokumentation
 

https://www.br.de/mediathek/sendung/frueher-oder-spaeter-av:5bf7dffc4ffc5b00182ee972

   

 



 





Mein persönlicher Erfahrungsbericht von meinen Eindrücken in TAMERA  hier ...